Die Stadt Freiburg wird Fossil Free

Die Stadt Freiburg will in Zukunft in ihren Anlagerichtlinien Investitionen in Kohle, Öl und Gas ausschließen. Das wurde in der Gemeinderatssitzung am 20.03.2018 einstimmig beschlossen. Neben anderen Städten, wie Münster, Stuttgart, Berlin und Bremen, hat sich nun auch die Stadt Freiburg der Divestment-Bewegung angeschlossen. Nach über 3 Jahren Arbeit von Fossil Free Freiburg, freuen wir uns riesig über diesen Erfolg.

Darauf stoßen wir an! Hier findet ihr unsere Pressemitteilung.

Beschlussvorlage der Stadt Freiburg als pdf.

Roadmap: Der Weg zur fossilfreien Stadt Freiburg

Es war ein langer Weg bis sich die Stadt Freiburg endlich der Fossil-Free-Bewegung angeschlossen hat. Im Folgenden werden nochmal alle Aktionen zur Stadt Freiburg kurz zusammengefasst:

2015 stellten wir erstmals in Zusammenarbeit mit Junges Freiburg/ Grüne Alternative eine interfraktionelle Anfrage an die Stadt Freiburg, welche leider unbeantwortet blieb.

Im Jahr 2016 galt unser Fokus eher der Uni Freiburg, wodurch wir die Stadt ein wenig in den Hintergrund stellten. Doch immer wieder versuchten wir mit den richtigen Leuten in Kontakt zu kommen. Ganz genau können wir das nicht mehr sagen, wann und mit wem wir alles in Kontakt waren.

Den letzten Anstoß gab eine Frage an Oberbürgermeister Dieter Salomon bei einer Podiumsdiskussion. Ein Mensch aus unserer Gruppe sprach ihn direkt auf Fossil Free an und wann die Stadt sich dem Divestment verpflichtet. Die Antwort darauf war positiv, Der Zeitpunkt war günstig und das Thema passte ganz gut ins Wahlprogramm.

Am 20. März 2018 war es dann endlich soweit: Die Stadt Freiburg schloss sich der Fossil-Free-Bewegung an.

Hintergrund

Die Stadt Freiburg hat schon in der Vergangenheit besonderes Engagement im Klimaschutz gezeigt. Dazu gehören zum Beispiel der Stadtteil Vauban. Nun hat die Stadt Freiburg erneut eine Vorreiterrolle im Klimaschutz eingenommen.

Der bereits 2014 veröffentlichte Bericht des Weltklimarats spricht eine deutliche Sprache. Wenn wir den Klimawandel auf unter 2º Celsius begrenzen wollen, darf der Großteil der fossilen Energiereserven wie Kohle, Öl und Gas nicht verbrannt werden. Alles andere würde eine Destabilisierung des Klimas mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur nach sich ziehen. Laut Weltklimarat, müssen Investitionen in fossile Energieträger jährlich um $30 Milliarden reduziert werden, während Investitionen in kohlenstoffarme Energiegewinnung um $147 Milliarden steigen müssen.

Außerdem ist damit zu rechnen, dass Unternehmen im fossilen Sektor in den kommenden Jahren stark an Wert verlieren werden, weil sie ihre Rohstoffvorkommen nicht mehr fördern und verkaufen können. Die Finanzwelt spricht von einer Kohlenstoffblase, die kurz davor ist zu platzen. Damit stellen Investitionen in fossile Energien ein hohes finanzielles Risiko dar. Die jüngsten Verluste von RWE und Eon verdeutlichen bereits heute, dass das Geschäftsmodell des fossilen Sektors nicht zukunftsfähig ist. Studien der Internationalen Energieagentur, der Universität Oxford sowie verschiedener Großbanken wie HSBC oder Citi warnen vor Investitionen in diesem Sektor.

Überall auf der Welt beginnen daher Städte, Gemeinden, Kirchen, Universitäten, Stiftungen und andere Institutionen ihre Investments aus den 200 größten Kohle-, Erdöl- und Erdgasunternehmen abzuziehen. Ein solches Divestment erreicht zweierlei: Einerseits schützt es vor den Gefahren zukünftiger Wertverluste und sichert so nachhaltig die finanzielle Stabilität Ihrer Stadt. Andererseits entzieht es klimaschädlichen Unternehmen die gesellschaftliche Zustimmung und trägt so zu Wandel bei, der aufgrund der Klimakrise notwendig geworden ist.

In den Vereinigten Staaten haben bereits 25 Städte verbindlich beschlossen ihre Anteile an Unternehmen des fossilen Sektors zu verkaufen. Darunter sind Großstädte wie San Francisco oder Seattle. Dagegen steht die Bewegung in Europa noch am Anfang. In den Niederlanden hat sich die Stadt Boxtel Ende 2013 als erste europäische Stadt verbindlich Divestment verschrieben. Freiburg hat nun auch in Deutschland diese Vorreiterrolle eingenommen und zeigt damit, dass eine nachhaltige Finanzpolitik mit Rücksicht auf Natur und zukünftige Generationen möglich ist.

Die globale Klimakampagne 350.org arbeitet mit Städten, Universitäten, Kirchen und anderen Institutionen in Europa, USA, Australien, Neuseeland, Kanada und Afrika zusammen, um gemeinsam gegen den Klimawandel und für eine lebenswerte Zukunft einzutreten.

Um unseren Kindern und Enkeln unsere wunderschöne Erde als weiterhin uneingeschränkt bewohnbaren Planeten zu hinterlassen, hat die Stadt Freiburg nun folgende Schritte eingeleitet:

– Keine Tätigung neuer Investitionen in fossile Brennstoffe 
– Abstoßung eigener Anteile an direkten und indirekten Investments innerhalb der nächsten 5 Jahre. Dazu gehören Aktien, Mischfonds, Unternehmensanleihen und sonstiges Kapital, das Erdöl-, Erdgas- und Kohleunternehmen beinhaltet.

Quellenangaben 
1. Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) 
2. Artikel zum Finanzrisiko Kohlenstoffblase in der Zeit
3. Internationale Energieagentur. World Energy Outlook 2012
4. Smith School of Enterprise and Environment, Oxford. Stranded Assets Programme
5. HSBC, Coal and Carbon – Stranded assets: Assessing the risks
6. http://www.theguardian.com/environment/2013/apr/19/carbon-bubble-financial-crash-crisis
7. Liste der Top 200 Kohle-, Erdöl-, Erdgasunternehmen weltweit
8. Eine Liste der Städte, Universitäten, Kirchen und anderer Institutionen die sich Divestment verschrieben haben

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